SchuhwallHÖLLE (2. Herren)

Was ein Wechselbad der Gefühle am Samstagabend zur besten Handball Uhrzeit! Um 19 Uhr luden wir die Ballakrobaten aus Nord Edemissen zu uns in die heimische Schuhwallhölle zum Rückrundenauftakt ein. Und das neue Handballjahr sollte mit einem Knall beginnen.
Aber zu Beginn müssen wir erstmal was definieren. Schuhwallhölle. Was bedeutet das? Schuhwallhölle ist die Phase zwischen Anpfiff und Abpfiff. Schuhwallhölle bedeutet, dass man gegen Wände rennt. Schuhwallhölle ist eine Oase purer Freude und Ektase. Schuhwallhölle ist ein Zustand zwischen Gut und Böse. Schuhwallhölle ist aus dem Stand über die höchsten Berge zu springen. Schuhwallhölle ist ein Tempel. Unser Tempel!
Das Hinspiel verloren wir absolut verdient mit 28:18. Wir alle wissen ja, dass wir Auswärts immer etwas, um es freundlich zu formulieren, unglücklich agieren. So wollten wir uns für das Auftaktspiel revanchieren und unserem Gegner zeigen, dass wir zumindest zuhause die Punkte behalten werden. Komme was und wer da wolle. Nunja, es kam Nord Edemissen. Und vom ersten Angriff an war zusehen, dass die Lust hatten uns zuhause den Zahn zu ziehen. Die erste Halbzeit hat offen gelegt, dass wir uns schon seit längerem nicht mehr gesehen hatten. Die Abstimmung in der Abwehr war nicht vorhanden und vorne spielten wir unkoordiniert. So kam unser Gegner immer wieder zu leichten Toren. Bis zum 4:4 in der 7. Minute und dem 10:11 durch Jannik sah es noch ganz ordentlich aus. Doch dann trat unser Gegner ins Gaspedal, während wir eine Vollbremsung hinlegten. Schnell wurde daraus ein 13:18 und kurz vor der Pause sogar ein 14:22. Coach JK rief uns alle in die Kabine zu einer Ansprache. Es gab wenig positives zu berichten. So appellierte Jan uns auf unsere Stärken zu besinnen. Denn unser Prunkstück, die Abwehr, war löchriger als jeder Käse. Und dies galt es zu flicken. So sollten wir endlich mal anfangen auch für unseren Nebenmann den einen Schritt mehr zu machen, den wir in der ersten Halbzeit vermissen ließen. Wir versprachen uns, dass wir die zweite Halbzeit gewinnen wollten. Wir versprachen uns, dass wir ein Feuerwerk abbrennen würden. Wir versprachen uns, dass wir mit erhobenen Köpfen die Halle verlassen würden. Selbst wenn unsere weiße Weste zuhause mal einen Fleck abbekommen sollte, mit so einer Leistung wollten wir uns nicht abfertigen lassen. Und so gingen wir mit dem Gedanken an Schadensbegrenzung in die zweite Halbzeit. Und wir setzen das um, was wir uns vorgenommen hatten. Und wie wir es umsetzen!
Die Abwehr mischte Beton an, unser Küken Roman im Tor baute um sich herum ein Magnetfeld auf, der jeden auf ihn zukommenden Ball magisch anzog. So konnten wir schnell zwei Tore erzielen. Waren es nur noch 6 Tore Differenz (16:22). Zwei schnelle Tore der Gegner, die durch ein Tor von Marc und Schmidti unterbrochen wurden, hielt die Differenz zwar aufrecht. Die Abwehr stand weiterhin sattelfest. So gelang unserem Hulk, dem Hulkstar, Mr. Bambam, unserem Timo ein weiteres schnelles Tor. Es ist schon erstaunlich, wie man mit einer kleinen Änderung der Rezeptur, aus einem löchrigen Schweizer Käse eine Betonwand gestärkt mit Stahl herstellen kann. Aus dieser sicheren Abwehr wurden wir selbst im Angriff selbstbewusster und stießen nun konsequenter in die Nahtstellen und provozierten so immer wieder mal Fehler der gegnerischen Abwehr und kamen nun unsererseits zu einfachen Toren. So arbeiteten wir uns auf 23:25 heran. Nur noch 2 Tore! Und immer noch 15 Minuten zu spielen. Man merkte unseren Gegner an, dass die solangsam an unserer Abwehr verzweifelten. Jeder Angriff zerschellte an unserer Abwehr. Und sollte doch mal was durchgehen, so hielt Roman seinen Kasten sauberer als der Papst seine Kutten. Apropos Kutten: unsere weiße Weste zuhause wollten wir nun doch nicht mehr besudeln lassen. Also gaben wir weiter Vollgas. Zu verlieren hatten wir nichts mehr. Unsere Ehre errungen wir wieder. Unseren Teamgeist auch. Und jetzt sollten diese zwei Punkte noch her. Egal wie. So erzielte unsere Palme in der 48. Minute das 26:27. Wir waren wieder dran! Die dunkle Nacht, in die wir uns zur Halbzeit verliefen, verschwand und es brach ein neuer Tag an. Wir wurden, wie von der aufgehenden Sonne wachgeküsst, in die letzten 10 Minuten getragen. So erzielte zwar unser Gegner zwei Tore, doch wir ließen uns nicht mehr abschütteln. Wir hatten uns wie ein Terrier in ihre Waden gebissen. Wir hatten jetzt richtig Bock! Wir waren geil! Wir wollten mit aller Macht! Und so war es Marc, der in der 52. Minute zum 29:29 ausglich. Das Momentum war nun auf unserer Seite. Eine Minute später erhöhte Marc von der Marke höchstpersönlich zum 30:29. Die 25 Fans auf der Tribüne hielt es nicht mehr auf den Plätzen. Sie feuerten und Peitschten uns weiter nach vorne. Jetzt hatten wir ihr Schiff gekentert. Nun galt es, es komplett zu versinken. Tor um Tor erhöhten wir. Nord Edemissen gelang in den letzten Minuten nur noch ein Tor. So hatten wir das Spiel gedreht. Das Tor zum 34:30 erzielte Hulk in der letzten Sekunde aus der eigenen Hälfte. Wie er sagte „ausversehen“. Er überlupfte einen verdutzten Keeper und beendete das Spiel. Daraufhin brachen ALLE Dämme. Die gesamte Bank stürmte auf das Feld. Wir fielen uns in die Arme. Sowas hatten wir noch nie erlebt. Wir drehten einen 8 Tore Rückstand zur Halbzeit in ein 4 Tore Sieg. Sowas hatten wir in den Handball Märchenbücher mal gelesen, aber sowas selbst erleben? Das war einfach unfassbar! Wir gewannen die zweiten Halbzeit 20:8, nachdem wir die erste 14:22 abgegeben hatten. Am Ende standen wir da und schauten ungläubig auf die Anzeigetafel. Wir waren Weltmeister! Naja, nicht ganz, aber genauso fühlten wir uns! Wir haben als Team bewiesen, was für ein Charakter in uns steckt. Wir haben auch in schweren Zeiten zueinander gehalten und uns gegenseitig zu Höchstleistungen gepusht! Wir sind eine Einheit. Wir sind ein Team!
Zum Abschluss möchten wir uns noch bei unseren äußerst fairen Gegner aus Nord Edemissen bedanken. Es ist leider nicht selbstverständlich, dass man ein Spiel dennoch so fair zu ende spielt, obwohl man einen sicher geglaubten Sieg abgegeben hatte. Dafür Hut ab und viel Erfolg weiterhin!

Für den NHC erfolgreich waren: Althans, Wilfer – Penner, Effler 3, Palm 3, Osteroth 4, Schmidt 3, K Kühn 8, A Kühn 1, Bode 12/5, Teßling